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Skandalös

Aha, die Bezüge unserer Abgeordneten sind ein Skandal, weil sie so niedrig sind. Sagt letzte Woche - wer auch immer. Sicher bin ich nicht die Einzige, die eine andere Fortsetzung des Satzes erwartet hätte, nämlich, dass es ein Skandal sei, wie hoch die Abgeordnetendiäten sind und erst recht deren Rentenansprüche. Rentenansprüche für lau. Aber nein, gemessen an der Verantwortung, die sie tragen, bekämen sie fünf-, sechsmal weniger als die Leute in der Wirtschaft mit gleicher Verantwortung. - Das muss verdaut werden. War da nicht was in der letzten Zeit? Skandale um diverse hochkarätige Manager, die für ihr Versagen oder nur ihre schlechte Arbeit - Stichwort Millionenverluste für Konzerne - nicht nur unfassbar riesige Gehälter, sondern auch Boni, Optionen, Abfindungen bekamen und bekommen. Etwa weil sie für das Risiko von Aktienabstürzen oder Arbeitsplatzverlusten mit ihrem Vermögen haften mussten? Nein, natürlich nicht, wo kämen wir da hin? Sie tragen nur die Verantwortung, rein verbal, und dafür verdienen sie das viele Geld. Ob ich neidisch bin? Nö, ich habe bloß Probleme mit dieser Art, Verantwortung zu bemessen. Ärzte, Sanitäter, Krankenschwestern tragen nach meinem Dafürhalten jeden Tag ebenfalls große Verantwortung, aber ich habe noch nie gehört, dass sich ein Sanitäter nach sagen wir 20 Berufsjahren eine eigene Klinik leisten konnte, und sicher auch kein normaler Arzt, ohne dafür einen Riesenkredit aufzunehmen. Ich kann auch nicht so recht daran glauben, dass ein Herr Schremp oder Piech je schlaflose Nächte hatten wegen der Millionenwerte,  die sie im Finanzennirwana des globalen Marktes versenkten. Nein, ich glaube vielmehr, das dieser Gebrauch des Wortes Verantwortung von genau der Ignoranz zeugt, die anscheinend parallel zum wachsenden Gehalt sich im Verstand der Leute ausbreitet, die Nutznießer solcher an keine messbare Leistung gebundenen Gehälter sind.                                                                                                

Denn ist es nicht offensichtlich, dass "Verantwortung" in diesem Kontext längst als Euphemismus, d. h. als schönes Verschleierungswort für "Macht" gebraucht wird? Unser Satz vom Anfang lautet im Klartext also: Wer viel Macht hat, verdient es, viel Geld nachgeworfen zu bekommen, damit er auch sinnlich erfährt, wieviel Macht er über andere hat, und damit er nicht etwa aus Selbstzweifeln ("Habe ich wirklich genug Macht?" ) den Job hinwirft. - Es ist also ein Skandal, dass unsere Volksvertreter nur so wenig von ihrer Macht auf dem Konto sehen. Naja, vielleicht auch nicht. Denn im Ernst: Wieviel Macht haben sie denn? Eine Gesundheitsreform, die diesen Namen verdient, hat die Lobby der einschlägig an einem teuren Gesundheitssystem Interessierten seit Jahrzehnten verhindert. Das Kartellamt ist dank fehlender Gesetze ein oft genug zahnloser Tiger. Gesetzeswut tobt nur dort, wo keine Lobbyisten im Weg stehen. Im Machtkampf zwischen Parlament und Wirtschaft saß letztere immer am längeren Hebel. Im Sinne dieser Logik werden unsere Volksvertreter also mehr als gerecht entlohnt. Würden höhere Bezüge, so wie in der Wirtschaft, ihre Unabhängigkeit, z. B. vom Einfluss der Wirtschaftsvertreter, steigern? Angesichts der heute schon vorhandenen einschlägigen Nebeneinkünfte von Abgeordneten werde ich das Gefühl nicht los, dass höhere Diäten nicht ihre Unabhängigkeit, sondern nur eines erhöhen: die Gier nach mehr. 

17.11.07 12:29
 


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