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Ausländische Inländer

Bald kann ich's nicht mehr hören, diese Geisterdebatte über kriminelle ausländische Jugendliche, die unsere Städte unsicher machen. Nehmen wir diesen Serkan aus München, der mit seinem Kumpel Spiridon die ganze Debatte losgetreten hat mit seinen Fußtritten gegen einen Schuldirektor a. D. Die erste Frage, die sich mir da stellt, ist die, wieso ein junger Erwachsener auf die Idee kommt, er dürfe einen alten Menschen, der sein Großvater sein könte, zu Tode prügeln und sich dabei auch noch im Recht fühlen. Was um Himmels willen hat der für eine Erziehung genossen, dass sein Kopf so quer ist? Also: Wo ist er aufgewachsen? Sieh da: in München. Türkisch ist nur sein Name, die Türkeierfahrungen dieses "Ausländers" beschränken sich auf zwei Wochen in 20 Lebensjahren, lese ich. Na, wenn das der Maßstab wäre, müssten wir unsere auswärts urlaubende Nation zum größten Teil ausbürgern.

Aber genau: Der Wohnsitz und/oder Geburtsort ist ja gar nicht der Maßstab, ob jemand die deutsche Staatsbürgerschaft hat oder nicht. Dieser junge Mann, der so wenig Türke ist, dass er sogar in seinen Träumen deutsch spricht, ist deshalb kein Deutscher, weil er kein "deutsches Blut" hat. Aber ein 20jähriger, der in Kasachstan geboren wurde, sein Leben lang Russisch sprach und von Deutschland nur das weiß, was ihm seine von deutschen Einwanderern im 18. Jahrhundert abstammenden Großeltern erzählt haben, der bekommt auf Wunsch sofort die deutsche Staatsbürgerschaft, weil in seinen Adern "deutsches Blut" fließe. Wow! Nun warte ich gespannt auf den Tag, wo Genetiker den Nobelpreis bekommen für die Entdeckung des Chromosomenstückchens, auf dem zu lesen ist, wer Deutscher ist und wer nicht.

Im Ernst: Wie lang wollen wir uns noch diesen absurden Anachronismus leisten, als eine der letzten demokratischen Kulturnationen (die letzte?) der Welt die Staatsangehörigkeit ( = eine politische Kategorie!) von "Blutlinien" ( = einer genealogischen Kategorie) abhängig zu machen? Selbst in amerikanischen TV-Serien wird inzwischen über diesen Unfug gestaunt und gespöttelt. Das könnte uns zwar kalt lassen, aber nicht die Tatsache, dass hier eine junge Generation, sprich unsere Zukunft, heranwächst, die offenbar zu einem kleinen, aber auffälligen Prozentsatz nicht die moralischen Werte vermittelt bekam, auf die unser demokratisches, d. h. angstfreies Zusammenleben nicht verzichten kann: Respekt vor dem Leben des Anderen und Mitgefühl für die Schwächeren. Dieses Defizit klafft bei gewalttätigen männlichen Jugendlichen, und es klafft bei jungen Müttern, die ihre Kindeer misshandeln oder einfach verhungern und verdursten lassen.

Nein, diese Ausländer-Debatte ist der Klassiker unter den propagandistischen Ablenkungs- und Verdunkelungsmanövern: lasst uns bloß nicht an die Wurzel des Übels gehen, nämlich wahrnehmen eine anscheinend wachsende Zahl erziehungsunfähiger Eltern in den 80er/90er Jahren, die uns eine ebenso zunehmende Zahl nicht sozialisierter bis soziopathischer junger Leute hinterlassen hat! Nein, wir reden über deutsch sprechende Türken, Griechen (Liste beliebig erweiterbar) und tun mal so, als ob sie gerade frisch eingereist wären, nicht bei uns groß geworden und in die Schule gegangen seien. Wir leisten uns weiter den Luxus und schauen weg, auferlegen uns Denkverbote und ignorieren, dass ein erster vernünftiger Schritt die Änderung dieses rassistischen Staatsbürgerrechts wäre. Denn dann hätten wir ja vor Wahlen auch keine schönen Leitkulturdebatten mehr.

Nein, lasst uns weiter unsere Jungkriminellen exportieren in Länder, deren Sprache die Delinquenten nicht mal sprechen. Ich bin neugierig, was das Deutsche Ministerium des Inneren wohl sagen wird, wenn Spanien dort eingebürgerte Kriminelle deutscher Herkunft an uns zurückschickt oder in den USA ein Richter auf die Idee kommt, kriminelle US-Bürger mit deutschen Vorfahren nach Deutschland auszuweisen. Wäre vielleicht eine gute Idee, um dem Parlament des deutschen Volkes den überfälligen Handlungsbedarf dringlicher zu machen...

12.1.08 11:28





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